ESD-Materialien

ESD-Materialien — wie ein Gewebe ableitfähig wird

Ein normales Textil isoliert und lädt sich auf. ESD-Material muss das Gegenteil leisten: Ladungen kontrolliert ableiten. Das erreicht man, indem man leitfähige Komponenten in Garn und Gewebe einbringt.

Kurz erklärt

ESD-Kleidung wird ableitfähig, indem leitfähige Fasern als Raster ins Gewebe eingewebt und die Nähte mit Leitgarn ausgeführt werden. Im Garn verankerte Leitfähigkeit bleibt über die Wäsche erhalten — eine Beschichtung nicht.

Definition

Das leitfähige Raster

Bei ableitfähigen Geweben werden leitfähige Fasern (Kohlenstoff oder Metall) in einem Raster in den Stoff eingewebt — bei nicht homogenem Material typischerweise mit einem Abstand von maximal 10 × 10 mm. Dieses Raster bildet die Wege, über die Ladungen abfließen, statt sich aufzubauen.

Garn statt Beschichtung

Entscheidend ist, wie die Leitfähigkeit erzeugt wird. Eine aufgebrachte Beschichtung verliert ihre Wirkung mit der Wäsche. Im Garn verankerte Leitfähigkeit bleibt erhalten. Weil wir vollstufig ab dem Garn fertigen, steuern wir diese Eigenschaft von Anfang an — nicht nachträglich.

Materialvielfalt

ESD-Eigenschaften lassen sich in unterschiedlichen Basismaterialien realisieren — Baumwolle, Polyester und Mischungen — und für Reinraum, flammhemmende und Medical-Anwendungen ausführen.

ESD-Gewebe mit leitfähigen Fasern (Makroaufnahme)

Relevanz für ESD-Kleidung

Die Nähte — der unterschätzte Punkt

Ein leitfähiges Gewebe nützt wenig, wenn die Nähte die Leitfähigkeit unterbrechen. Genau dort vernähen wir mit Beltron-Leitgarn und Schieldex-Silbergarn — an Kragen, Bündchen und allen Übergängen. So bleibt das gesamte Kleidungsstück konsistent ableitfähig. Viele Wettbewerber sparen ausgerechnet hier (z. B. ein unleitfähiger Rippkragen).

Weitere Normen im ESD-Umfeld

Unsere Produkte wurden nach der Norm DIN EN 61340-5-1:2016 erfolgreich auf elektrostatische Ableitfähigkeit und Oberflächenwiderstand geprüft.

Diese international anerkannte Norm legt grundlegende Anforderungen für den Schutz elektronischer Bauelemente vor elektrostatischer Entladung fest.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere ESD-relevante Normen, die sich mit spezifischen Anwendungsbereichen oder Prüfmethoden befassen. Unsere geprüften Eigenschaften wie Oberflächen- und Ableitwiderstand sind auch in folgenden Normen von Bedeutung:

DIN IEC/TR 61340-5-2 (2019-04)
Elektrostatik, Teil 5-2: Schutz von elektronischen Bauelementen gegen elektrostatische Phänomene – Benutzerhandbuch.
DIN EN 61340-5-3 (2016-04)
Elektrostatik, Teil 5-3: Schutz von elektronischen Bauelementen gegen elektrostatische Phänomene – Eigenschaften und Anforderungen für die Klassifizierung von Verpackung, welche für Bauelemente verwendet werden, die gegen elektrostatische Entladungen empfindlich ist.
ANSI/ESD S20.20-2014 (2014-07)
ESD-Verbandsstandard zur Entwicklung eines Programms zur Kontrolle elektrostatischer Entladungen – zum Schutz elektrischer und elektronischer Bauteile, Baugruppen und Geräte (ausgenommen elektrisch gezündete Sprengvorrichtungen).
DIN EN 61340-4-1 Ed. 2.0 (2003 + AMD1 2015)
Elektrostatik, Teil 4-1: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – elektrischer Widerstand von Bodenbelägen und verlegten Fußböden.
DIN EN IEC 61340-4-3 (2018-10)
Elektrostatik, Teil 4-3: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Schuhwerk.
DIN EN IEC 61340-4-5 (2019-04)
Elektrostatik, Teil 4-5: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Verfahren zur Charakterisierung der elektrostatischen Schutzwirkung von Schuhwerk und Boden in Kombination mit einer Person.
DIN EN 61340-4-6 (2016-04)
Elektrostatik, Teil 4-6: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Handgelenkerdungsbänder.
DIN EN 61340-4-7 (2018-01)
Elektrostatik, Teil 4-7: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Ionisation.
DIN EN 61340-4-8 (2015-08)
Elektrostatik, Teil 4-8: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Schirmwirkung gegen elektrostatische Entladung.
DIN EN 61340-4-9 (2017-03)
Elektrostatik, Teil 4-9: Standard-Prüfverfahren für spezielle Anwendungen – Bekleidung.
DIN EN 61340-2-1 (2016-07)
Elektrostatik, Teil 2-1: Messverfahren – Fähigkeit von Materialien und Erzeugnissen, elektrostatische Ladungen abzuleiten.
DIN EN 61340-2-3 (2017-05)
Elektrostatik, Teil 2-3: Prüfverfahren zur Bestimmung des Widerstandes und des spezifischen Widerstandes von festen planen Werkstoffen, die zur Vermeidung elektrostatischer Aufladung verwendet werden.
DIN EN 61340-6-1 (2017-07)
Elektrostatik, Teil 6-1: Überwachung der Elektrostatik im Gesundheitswesen – allgemeine Anforderungen für die Infrastruktur.
DIN IEC/TR 61340-1 (2014-06)
Elektrostatik, Teil 1: Elektrostatische Vorgänge – Grundlagen und Messungen.
Hinweis

Diese Normen dienen zur Orientierung und zeigen die vielfältigen Anwendungsbereiche unserer Produkte im ESD-Schutz. Eine Prüfung oder Zertifizierung nach diesen Normen liegt aktuell nicht vor.

Normen & Wissen

Normbezogene Unterlagen anfragen

Beschreiben Sie Ihren Anwendungsfall — wir ordnen den Normbezug ein und stellen die passenden Dokumente und Datenblätter zusammen.

Erreichbarkeit
Mo–Fr 09:00 – 14:00 Uhr (MET)